Schlaraffenburger Streuobsternte 2026 abgeschlossen oder: Das große Glück im kleinen Ertrag
Das Ernten der Früchte im Herbst ist für alle Streuobstbewirtschafter eine besondere Zeit. Nach dem ertragreichen Vorjahr fiel die Ernte dieses Jahr besonders mager aus. Nach 1.150 Tonnen im Jahr 2026 kamen alle Schlaraffenburger Teilnehmer zusammen auf 45 Tonnen Kelterobst.
Doch der wahre Wert dieser Arbeit bemisst sich nicht in Kilos. Selbst wenn die Körbe am Ende des Tages nicht überquellen, hinterlässt die Arbeit zwischen den alten Bäumen ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Es ist ein archaisches und beruhigendes Gefühl, mit den eigenen Händen Früchte vom Baum zu pflücken und die Ernte einzufahren. Jeder gefundene Apfel und jede späte Birne werden bei einer kleinen Ernte viel bewusster wahrgenommen und geschätzt.
So war die Stimmung bei uns im Schlaraffenburger Team dieses Jahr etwas ambivalent. Zum einen waren wir froh, dass es nicht wieder diese Riesenmengen wie im Vorjahr zu bewältigen gab. Zum anderen fehlte uns ein Stück weit die Ernte als wesentlicher und sehr befriedigender Teil der Arbeit in und mit den Streuobstwiesen. Auch die Begegnungen mit unseren Projektteilnehmern an den Annahmestellen fielen deutlich spärlicher aus. Mangels Masse mussten wir ganze Annahmetermine absagen. Am Ende dieser Erntesaison blieb für uns auch ein großes wirtschaftliches Defizit. Die Pflege der Wiesen, die Biozertifizierung der Teilnehmer, die Transportkosten und die Finanzierung der Annahmestellen kosten Geld, das aus den Ernteerträgen finanziert werden muss.
Eine magere Ernte erinnert uns aber auch daran, dass wir die Natur nicht kontrollieren können. Sie lehrt uns Demut und Geduld. Gleichzeitig hat sie uns dieses Jahr deutlich gezeigt, dass wir mit dem Klimawandel vor einer großen Herausforderung stehen. Mit Sorge blicken wir auf diese Entwicklung und sehen hier großen Handlungsbedarf. Die Bewirtschaftung unserer Streuobstwiesen wird sich massiv verändern müssen, um dem geänderten Klima gerecht zu werden. Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen.
Denn auch wenn die Ernte mal wieder dünn ausfällt, die Pflege der Bäume, das Erhalten dieses wertvollen Lebensraums für Vögel und Insekten und die Bewegung an der frischen Luft sind der eigentliche Lohn.


