Apfelblüten hat´s eiskalt erwischt

Der Spätfrost im April mit bis zu minus 5 Grad hat zu erheblichen Verlusten bei Obst- und Weinbauern geführt. Auch im Streuobstbau am Untermain wird es zu erheblichen Ernteeinbußen kommen. Eine genauere Aussage kann man erst nach dem Junifall machen. Sicher ist aber, dass dieses Jahr nur spätblühende Sorten nennenswerte Erträge liefern werden. Die sicherste Methode zur Verhinderung von Totalausfällen durch Frost ist daher eine möglichst hohe Diversität in der Streuobstwiese. Im Schlaraffenburger Projekt ist diese gegeben, da die Vertragsbäume auf über 600 verschiedenen Obstwiesen in verschiedenen Höhen und Klimalagen zwischen Wörth/Main und Alzenau stehen. Dennoch müssen wir dieses Jahr mit erheblichen Ernteausfällen rechnen. Zum Teil können diese noch durch eine Lagerhaltung aus dem Vorjahr aufgefangen werden.

erfrorene Apfelblüten in Sailauf

Während die früher blühenden Birnen noch gute Fruchtansätze ausbilden konnten, wurden die Apfelbäume in der Vollblüte vom Frost im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt erwischt.  Je weiter eine Blüte geöffnet ist, umso empfindlicher ist sie für die Kälte. Einen guten Fruchtansatz kann man zur Zeit nur bei spätblühenden Sorten, wie Rote Sternrenette oder Roter Bellefleur beobachten. Aber auch hier muß man noch den Junifall abwarten, bei dem sich der Baum von schlecht befruchteten Blüten trennt oder Fruchtansätze aufgrund Wasser- oder Nährstoffmangels abstößt. In der Regel reichen jedoch etwa 10 % aller Blüten für einen Vollertrag. Dieses Jahr gingen die Obstbäume allerdings schon unter erschwerten Bedingungen ins Rennen.  

Reiche Blüte unter erschwerten Bedingungen
Norbert Drescher von der Bioland Streuobst Beratung beschrieb die Situation im Frühjahr so: Die letzte Märzhälfte war ausgesprochen mild, was folglich die Blütenentwicklung temporär stimuliert hat, zu mal sich durch den trockenen Boden die Erde und das Wurzelwerk schon gut erwärmt hatten. Daß Mitte April viele Apfelsorten bereits in Vollblüte standen oder sich im fortgeschrittenen Ballonstadium befanden ist als recht früher Blühtermin zu werten, welcher auch nicht durch die kühleren Temperaturen in der ersten Aprilhälfte wesentlich verlangsamt wurde. Der heuer extrem erscheinende Blütenansatz muss sehr nüchtern betrachtet werden, da zum Einen bei den Tagestemperaturen die Bestäubung durch die Honigbiene fast gänzlich ausfiel und letztlich von Wildbienen und Hummeln ausgeführt wurde.

Zum Anderen bedarf es für einen guten Bestäubungsvorgang und unmittelbare Bildung des Fruchtansatzes einen guten Wasserhaushalt im Organismus des Baumes, da die jüngste Fruchtbildung synchron mit dem Sprießen der Blattmasse verläuft. Diese wiederum beansprucht aber auch den Wasserbedarf des Gehölzes enorm . Da in einigen Regionen Bayerns die Niederschläge der letzten Monate sehr verhalten ausfielen ist damit zu rechnen, dass selbst positiv bestäubte Blüten nur einen sehr unregelmäßigen Fruchtansatz aufweisen.


Präventiv Maßnahmen zur Verringerung von Frostschäden

  • zu dichte Kronenpartien auslichten, um Luftstau in den Ästen zu verringern.
  • Unterwuchs bis auf Grasnarbe mulchen, um Luftzirkulation auf Streuobstwiese zu begünstigen
  • Bäume mit Schachtelhalm-Extrakt zur Stärkung der Zellwände spritzen. Oder mit Baldrianblüten Extrakt (1 ml pro 1 l Wasser), was im Idealfall Spätfröste bis zu minus 3 Grad abzupuffern vermag.
  • Entzünden von Fackeln oder Holztürmen, in der Regel ab der zweiten Nachthälfte. (Bei kontrollierten Feueraktionen im Feld diese bitte zuvor bei der örtlichen Feuerwehr ankündigen).

Die meisten Maßnahmen stammen aus dem Plantagenobstbau und sind im Streuobstbau nur bedingt anwendbar. Die sicherste Methode zur Verhinderung von Totalausfällen durch Frost ist eine möglichst hohe Diversität. So sind diejenigen Streuobstbauern gut dran, die über Obststücke in verschiedenen Lagen verfügen und die Ihre Flächen mit verschiedenen Sorten mit möglichst unterschiedlichen Blühzeitpunkten bepflanzt haben. Ein ausgewogener Nährstoff- und Wasserhaushalt fördert außerdem die Fruchtbarkeit der Bäume.



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